Na klar, war ja versprochen.
Liebe Anja, liebe "Zurückgebliebene",
hier meine Eindrücke die vielleicht von unknown, Ina, Insulinjunkie oder jemand anders noch ergänzt werden.
1. Advice Device
Die Vorträge begann Dr. Teupe mit dem Thema Advice Device und begründete als erstes nochmal dessen Notwendigkeit:
Es soll ein verlässlicher Ratgeber und Monitor im Alltag sein, da, wie wir ja alle wissen, ziemlich viele Gründe eine kontinuierliche gut abgestimmte Therapie verhindern. Neben der Vereinzelung der Pumpenträger, der verschiedensten Fährnisse des Alltags stehen dem noch z.B. unterschiedliche Interessen von Ärzten, Pharma- und Krankenkassenvertretern entgegen. Da soll das Advice Device der ruhende Pol sein und (so kommt es mir vor) die mit viel Arbeit und Engagement herausgearbeiteten Teupe'schen Regelwerke "in Beton gießen".
Stand der Entwicklund des AD ist, daß fast alle Regelwerke, ein Therapiegrößen-Rechner, ein Essensbolusrechner und das BZ-Analysenprogramm programmiert sind. Die Hardwarefrage ist überhaupt noch nicht geklärt, bis dato läuft die Software auf PC und Windows-Mobilgeräten. Den zeitlichen Rahmen hat sich Dr. Teupe so gesetzt, daß er es in seinem aktiven Berufsleben auf jeden Fall noch vollenden will. Er ist gerade 60 geworden, gibt sich noch 5 bis 7 Jahre bis zur Rente.
In Arbeit sind noch die restlichen Regelwerke, die noch durch Testdaten verifiziert werden sollen (siehe Punkt 4.), die klinische Zulassungsstudie und die Übertragung der Daten ins Protokoll.
Die im Vorfeld des Pumpentreffens durchgeführte Patientenumfrage zum AD hat zusammengefaßt ergeben, daß die meisten Teilnehmer
durchaus umfangreiche Funktionen des AD haben wollen und dafür auch bereit sind bei speziellen Situationen die entsprechend
umfangreicheren Daten in das Gerät einzugeben.
Bei einer kurzen Demonstration am Bildschirm zeigte Dr. Teupe die Oberfläche und ein paar Funktionen. Zum Beispiel kann man bei
der Mahlzeiteneingabe den Level wählen: einfach nur ohne Angabe von Gründen einen Bolus schießen, nur BE eingeben, BE und
Kalorien eingeben, aus der Datenbank wählen, ein vordefiniertes Essen heranziehen etc. An die Bedienung des Programms werden sich
Smartphone-Benutzer wahrscheinlich gut gewöhnen können, aber ich vermute, daß man als Anwender schon etwas Aufwand treiben muß, um gute Ergebnisse zu erzielen (shit in, shit out).
2. Vorstellung des OmniPod der Firma Ypsomed
Eine Firmenvertreterin von Ypsomed hielt einen (knackigen, wie ich fand) Vortrag zur neuen Pod-Pumpe. Als Vorteile wurden genannt: Pod ist Wasserdicht (nach IPX8) und kann auch hinten am Oberarm sowie weiteren alternativen Stellen getragen werden, trägt nicht stark auf. Dies wurde belegt durch anregende Fotos von gutaussehenden, jungen, starken Triatlethen des "Typ-1-Teams".
Der integrierte Inserter setzt den 9mm Katheder automatisch im 45 Grad Winkel. Alle Funktionen (Auslesefähigkeit, Datenspeicher, temp. Basalraten, BZ-Messung, Bolusrechner etc.) von bisherigen Pumpen sind im Steuergerät enthalten, PC-Kabel kommt zukünftig mit ins Starterkit.
Der Pod hat Teflonkanülen und kann maximal 3 Tage getragen werden (Stahlkanülen für diese Tragezeit nicht zugelassen, gibt es daher nicht). Danach wird der Selbstzerstörungsmechanismus gestartet... -nein,nein, er schaltet sich nur ab.
Den Gegenargumenten, die einem spontan dazu einfallen, begegnete die Referentin wie folgt:
- "Wegwerfpumpe": Ypsomed liefert zu jeder 10er Pod-Packung ein Papppäckchen (Wort mit 4 P!) und Rücksendeetikett mit, in dem die
gebrauchten Pods kostenfrei zum Recyclen eingeschickt werden können.
- Kostenfrage: wie schon an anderer Stelle im Forum erwähnt, behauptet Ypsomed das auf 4 Jahre gerechnet die Pumpe nicht teurer
würde als jede andere. Der uns allen bekannte Mathefreak und Diabetologe stellte dem eine andere Rechnung entgegen, die auf eine
verdrei- bis vierfachung der Kosten kam. Daß trotzdem bisher seit Einführung im Juli angeblich schon etwa 100 OmniPods von den
Kassen genehmigt wurden, erklärte er sich damit, daß sie eventuell per Vertrag mit den Kassen unter den Herstellungskosten abgegeben werden und bisher aus dem amerikanischen Selbstzahler-Markt subventioniert werden. Dies könnte eventuell zur Pleite von
Ypsomed oder zu Kostensteigerungen in der Zukunft führen. Kommentar von mir: vielleicht kann man auch die Herstellungskosten noch
stark senken.
Dr. Teupe selbst sagte, er hätte die Pumpe mehrere Tage Probe getragen und würde sie sofort nehmen, wenn er eine Pumpe bräuchte. Er hat den Pod auseinandergenommen und die Mechanik für gut befunden. Er betrachtet diese Art der Pumpen als zukunftsträchtig und sagte, daß auch Roche und andere Pumpenfirmen mit Hochdruck an deren Entwicklung arbeiten. Dies ist für mich auch ein Grund dafür, warum Ypsomed vermutlich seine Pumpen unter Wert abgibt: um als erste eine möglichst große Marktdurchdringung zu bekommen.
3. Ergebnisse zur Anwenderbefragung Accu-Chek Combo
Nach der Mittagspause stellte Teupe-Tochter Daniela ihre Ergebnisse der Anwenderbefragung vor. Sie hatte schriftlich 100 Combo-Patienten ihres Vaters zu ihren Erfahrungen und Wünschen befragt und eine sehr gute Rückmeldungsquote von über 60% erreicht
(normal sind 30% Rückmeldungen bei schriftlichen Befragungen). Zusammengefaßt kam dabei heraus, daß sich die überwiegende
Mehrheit ein multifunktionelles Meß- und Steuergerät für die Pumpe wünscht, daß die Umsetzung der Anforderungen durch die Firma
Roche jedoch als stark verbesserungswürdig beurteilt wird. Dies hängt natürlich damit zusammen, daß ja nur Teupeianer befragt
wurden, die entsprechend spezielle Anforderungen stellen und auf ein Advice Device hoffen. Die Ergebnisse wurden an Roche
weitergegeben.
Erstaunlich war jedenfalls für mich das Ergebnis, daß ein sehr großer Teil der Combo-Besitzer das Aviva Combo garnicht oder nur in Teilfunktionen benutzt.
Oft wurde bemängelt, daß man Teststreifen dafür verwenden muß, obwohl es ja auch die Trommel- oder Kassettensysteme des Akku-Chek mobile gibt. Dazu äußerte Daniela die Vermutung, daß die Hardware dafür zu spät entwickelt wurde, um sie noch einzubeziehen. Bei der Zulassungsprozedur, die sich über Jahre erstrecken kann, darf nämlich die Hardware nicht mehr modifiziert werden.
4. Workshops
Diese dienten in erster Linie zur Verteilung der Hausaufgaben für die Teilnehmer, also mehr "Work" als "Shop". Da sich nicht genug Kinder bzw. Eltern zum Pumpentreffen angemeldet hatten, fiel der Kinder-Workshop aus und es gab die 3 Themen Essensinsulinierung, Pumpenpause und Hypoglykämie. Dazu hatte das Teupe-Team etliche Aufgabenstellungen vorbereitet, von denen jeder Teilnehmer des Workshops zuhause eine oder mehrere als Experiment durchführen und dokumentieren soll. Bis Januar 2011 sollen die Ergebnisse (also die Pumpenprotokolle) dazu zurückgeliefert werden.
Ich selbst war in der Gruppe zur Pumpenpause und habe die Aufgaben übernommen, die Pumpe einmal 2, einmal 4 und einmal 10 Stunden abzulegen, mir nach vorgegebenem Schema vorgegebenes Insulin mit vorgegebenen Spritzen (weil genauer als Pen) zu spritzen und das ganze für die Auswertung festzuhalten. (Uff: bei den 10 Stunden von 8 bis 18 Uhr muß ich mich auch noch die ganze Zeit bewegen!
) Zusätzlich soll jeder Teilnehmer der Gruppe noch Versuche zum Katheder-Ziehen nach Bolusabgabe durchführen.
Die Ergebnisse der Versuche aller Teilnehmer aller Gruppen werden hinterher zur Verifikation der AD-Regelwerke verwendet. Wenn ich dann also später eingebe, daß ich 5 Stunden die Pumpe ablegen und Tanzen gehen will, spuckt mir das AD einen oder mehrere Vorschläge aus, wie ich während dieser Zeit insulinmäßig nicht aus dem Tritt komme.
So, das war's soweit von mir zum Inhalt des Pumpentreffens. Ansonsten habe ich mich sehr gefreut ein paar meiner alten
Dorfkumpanen wieder zu treffen und auch Norbert und Ina aus dem Forum. Insulinjunkie bildet lustigerweise eine Schnittmenge aus
beidem, was ich garnicht wußte. Ich hoffe, Ihr seid alle gut wieder heim gekommen und wir sehen uns bald wieder!
Schockiert war ich vom Ergebnis meiner HbA1c-Messung vor Ort: 7,5 (in Worten: SIEBENKOMMAFÜNF). So Scheiße war der nur vor
Althausen, da muß ich dringend dran arbeiten!
In diesem Sinne viele Grüße,
Biene