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Diabetesfragen => Allgemeiner Bereich => Thema gestartet von: Hinerk am August 12, 2016, 13:48

Titel: BZ mess Geräte Abweichungen
Beitrag von: Hinerk am August 12, 2016, 13:48
Moin,

Alle BZ Geräte dürfen abweichen so um 15% zu hoch oder zu tief, habe ich mal gelesen.
Bedeutet dieser Hinweis, dass wenn 100 als Messwert angezeigt wird mein tatsächlicher Wert 115 oder 85 sein kann, ich hoffe nicht.

Wenn die Geräte so arbeiten, wo gibt's genauere (Laborgeräte) wer hat Informationen.

MlG

Hinerk
Titel: Re: BZ mess Geräte Abweichungen
Beitrag von: Kladie am August 12, 2016, 14:01
Hallo Hinerk,

ja so ist das mit der Genauigkeit. Allerdings vermute ich, dass die meisten Geräte diese Toleranz nicht ganz ausnutzen. Meine Tests - wenn ich mein Blut vierteljährlich vom Labor untersuchen lasse - zeigen eine bessere Genauigkeit an. Aber alleine auf unsere Geräte kann sich niemand stützen wenn es um so Themen wie FPE oder Insulinmengen von 0,1 IE usw. geht.
Titel: Re: BZ mess Geräte Abweichungen
Beitrag von: Floh am August 12, 2016, 14:21
Es ist sogar noch viel viel schlimmer :)

Zitat
Die Neuauflage der ISO-Norm 15197 sagt, dass bei Glukose-Konzentrationen unter 100 mg/dl (5,6 mmol/l) 95 % der Messergebnisse um bis zu ± 15 mg/dl (0,83 mmol/l) abweichen dürfen. Zudem ist bei Werten über 100 mg/dl eine Abweichung von maximal ± 15 % zulässig (auch hier gilt: für 95% der Meßwerte).

(Quelle: http://diabetes.ascensia.de/datafiles/images/pdf/DC_Karte_A4_132461_ISO_Norm_20130628.pdf ).

Diese 95% sind eine der drei Zahlen zur Standardabweichung, die man sich merken sollte (https://en.wikipedia.org/wiki/68%E2%80%9395%E2%80%9399.7_rule ). 95% Sicherheit bedeutet normalerweise, dass zwei Sigma Abweichung vom Mittelwert enthalten sind.

Das bedeutet, dass etwa einer von 22 Werten außerhalb des Konfidenzintervalls liegt.

Und natürlich: bei einem Wert von 400 mg/dl ist die Abweichung in Prozent zulässig. Ein Meßwert darf um 60mg/dl immer abweichen, jeder 22te liegt sogar noch weiter daneben.
Titel: Re: BZ mess Geräte Abweichungen
Beitrag von: Gyuri am August 12, 2016, 14:37
Die angegebenen ±15% sind wie so oft statistisch ermittelt und beziehen sich auf eine Wahrscheinlichkeit von 95,45%. mit einer Wahrscheinlichkeit von 68,3% läge die mögliche Abweichung sogar nur bei ±7,5%
(genaueres sagen uns "Konfidenzintervalle" darüber)

Bei den ±15% mögliche Abweichung könnte sogar davon ausgegangen werden, dass das Messergebnis 4,55% aller Messungen sogar noch schlechter ausfallen.
Bei Vergleichen mit Laborwerten wird man dennoch (in der Regel) viel höhere Genaugkeiten feststellen als bei Vergleichen zweier "einfacher" Messgeräte, auch wenn da mit vielleicht ±20% Gesamtabweichung zu statistisch rechnen ist.

Und noch etwas in diesem Zusammenhang:
Die Abweichungen kommen kaum von den Messgeräten. Vielmer sind das Fertigungsschwankungen bei der Teststreifenherstellung. Man müsste also die Genauigkeit der Teststreifen prüfen, was einen sehr hohen Teststreifenbedarf erfordern würde. Keine gute Idee, für jemanden, der um sein Teststreifenkontingent kämpfen muss.  :nein:

Nachtrag:
Floh ist mir jetzt zuvor gekommen.  :rotwerd:
Ich hatte zwischendurch meiner Frau eine neue DVD eingelegt.
Titel: Re: BZ mess Geräte Abweichungen
Beitrag von: Neumi am August 13, 2016, 14:07
Moin,

Alle BZ Geräte dürfen abweichen so um 15% zu hoch oder zu tief, habe ich mal gelesen.
Bedeutet dieser Hinweis, dass wenn 100 als Messwert angezeigt wird mein tatsächlicher Wert 115 oder 85 sein kann, ich hoffe nicht.

Wenn die Geräte so arbeiten, wo gibt's genauere (Laborgeräte) wer hat Informationen.

MlG

Hinerk

Hallo,
seht es doch mal realistig an. Was macht das denn aus diese Abweichung. Da stelle ich mir die Frage wer bestimmt welcher Blutzuckerbereich genau der Richtige für meinen Körper ist. Ansonsten ist doch davon auszugehen das die Messgeräte sicher nicht schlecht einjustiert sind. Das Problem ist wie Gyuri schon sagt die Teststreifen. Wenn man allerdings ein Viertel Jahr mit Teststreifen einer Charge misst die auch alle zusammen gelagert sind, dann sollte das schon einigermaßen passen. Es gibt sicher den anzustrebenden Zielbereich. Was macht es denn aus wenn statt 100 mal 115 oder 85 gemessen wird. Das wäre für mich umgerechnet in mmol/l 5,6 oder4,7 oder 6,4. Wichtig ist doch Veränderungen zu erkennen die trotz der Ungenauigkeit auffallen. Also ich würde mich da nicht verrückt machen lassen. Interessanter sind doch die Kurven der Tagesprofile wie was passiert nach dem Essen oder zu anderen Zeiträumen. Diese Kurve, bitte schlagt mich nicht  :), sagte doch viel mehr aus als die an der Achse der Kurve angetragenen Werte denn die Zeitskala kann man ja als reell betrachten und die Werteskale unterliegt eben der Toleranz. Ich meine wer darüber nachdenkt wird mir sicher zustimmen.
Grüße von Neumi!
Titel: Re: BZ mess Geräte Abweichungen
Beitrag von: Hinerk am August 13, 2016, 19:11
Moin Neum,

Für mich ist es schon  wichtig zu wissen ob mein BZ Wert 85 oder 115 ist je nach Tageszeit kann es ein Insulin Mengen Unterschied bis zu 5,6 IE bedingen und dadurch mich in einen UZ Bereich schleudern.

Wie viele andere auch glaube ich mein  BZ Wert sollte um die 100 sein, so etwa wie bei Gesunden.

Z. Z. versuche ich Informationen über Kosten von Labor Geräten zu erhalten um die jetzige unsichere Situation zu beenden.

MlG

Hinerk
Titel: Re: BZ mess Geräte Abweichungen
Beitrag von: Kladie am August 13, 2016, 22:01
Hallo Hinerk,

ich denke, du machst dich da unnötigerweise verrückt. Auch ein Laborgerät wird dein Ziel nur ungenügend befriedigen können. Allein die Überlegung, dass der BZ niemals im ganzen Körper gleichmäßig verteilt ist und das bei schnelleren Änderungen noch stärker zum Vorschein kommt muss diesen Genauigkeitswunsch schon relativieren.
Ausserdem sind die Parameter zur Dosisfindung nur Näherungswerte die der gleichen Toleranz unterliegen wie die Meßergebnisse unserer Meßgeräte. Wie stellst du z. B. die Menge an KH sicher, die du zu dir nimmst? Es ist sicher auch entscheidend, ob du 56 g KH oder 65 g KH zu dir nimmst und glaube nicht, dass die Angaben auf den Lebensmitteln 100% exact angegeben sind.


Vor einiger Zeit habe ich an einer Studie teilgenommen und dort wurde mit geeichten Geräten der BZ gemessen. Größtenteils waren die Ergebnisse bei meinem Accu Check Aviva recht nahe an den Ergebnissen der Laborgeräte. Auch bei den Geräten waren "unlogische" Messungen möglich und wurden durch Kontrollmessungen gegengecheckt. Jeder Proband hatte "sein" Meßgerät, da auch zwischen diesen Geräten Meßunterschiede möglich waren.
Titel: Re: BZ mess Geräte Abweichungen
Beitrag von: Gyuri am August 13, 2016, 22:28
Du hast da wohl etwas ganz gewaltig missverstanden!

Wenn du z.B. einen BZ von 100 mg/dl hast und davon ausgehst, dass das der Wert eines Gesunden ist, unterliegt diese Messung auch erst mal so einer Unsicherheit.

Wenn die Durchschnittsgröße der Deutschen 1,80 m beträgt, fehlt dazu genau wie bei allen "normalen" Messungen noch die Angabe einer Messunsicherheit. Ich kann nicht davon ausgehen Deutsche mit genau 180 cm Höhe aussuchen zu können und zu sagen, die sind 100% normal und alle mit ganz kleinen Abweichungen von den 180cm seien es nicht. Bei der Bestimmung der Durchschnitsgröße wurde sicherlich nicht auf ein 1000stel MIlimeter genau gemessen. Was also fehlt ist die Messgenauigkeit UND die Streuung, die bei den vielen Deutschen festgestellt hat, die man  gemessen hat. Würde man dazu (nur als Beispiel!) sagen: Die Größe von 180cm streut um ±15% (=2*Standardabweichung) würde das bedeuten, dass dann 95,45% aller gemessenen Deutschen zwischen 153 und 207 cm groß sind. 2,275% wären dann noch kleiner und genauso viele noch größer.

Greife ich mir eine Handvoll Deutsche und messe sie, komme ich mit großer Wahrscheinlichkeit auch auf einen Schnitt von 180cm (und jetzt kommts!) muss aber auch damit rechnen "mit viel Pech" was anderes im Schnitt zu errechnen.

Und genauso verhält es sich beim Blutzucker. Du bist nicht besser wenn du genau 100 mg/dl misst. Das hat nur zum Teil mit der Genauigkeit deines Messgerätes bzw. deiner verwendeten Sensoric zu tun. Es kommt auch drauf an, wie genau der Blutzucker von gesunden Leuten ermittelt wurde. Und dann: wo ist denn die Grenze zwischen gesund und nicht gesund?

Anderes Beispiel - der Blutdruck
Fast jeder Arzt wird dir sagen, dass es besser sei, seinen systolischen Druck unter 140 mmHg zu halten.
Ist dann einer mit 139 mmHg gesund?
Ist dann einer mit 141 mmHg krank?
Wohl kaum!
Ein Arzt, der noch den Blutdruck von Hand misst (mit einer Quecksilbersäule) wird kaum auf  1 mm genau messen. Er rundet auf 5er oder gar 10er Schritte.
Und seine Stirn wird kaum Runzeln bekommen, wenn er einmalig 150 mmHg misst.  Beim nächsten Mal (WIEDERHOLUNGSMESSUNG) kommt er vielleicht auf 125 mmHg und er sagt dann: "Noch OK!"

Eine uralte Regel in der Messtechnik sagt:
"Nicht so genau wie möglich messen - nur so genau wie nötig!"

Und unsere Geräte mit einer (STATISTISCHEN) Wiederholbarkeit von ±15% sind wirklich genau genug, vorallem wenn man bedenkt, dass die Messwerte allgemein viel genauer noch sind als garantiert.

Und aus eigener Erfahrung werden die meisten Diabetiker wissen, dass verschiedene Bedienfehler (bemerkt oder unbemerkt) zu noch viel größeren Abweichungen kommen können. Darauf müssen wir uns viel mehr konzentrieren.
Titel: Re: BZ mess Geräte Abweichungen
Beitrag von: Hinerk am August 13, 2016, 23:23
Moin Kladie und Gyuri,

Es sind ja nur nicht unsere Messgeräte (Teststreifen) mit den Abweichungen, sondern auch die Angaben über Nährwerte im Netz weichen  sehr stark von einander ab.

Beispiel rote Johannisbeeren, die Kh. Anteile sind bei einem mit 13,3 und bei einem anderen mit 4,8 angegeben, der Mittelwert aus sechs Seiten ist 8,5.

Ich habe noch andere überprüft und die Ergebnisse waren ähnlich.

Wir können glücklich sein, trotz diesem Informations Chaos (Messwerte, Kh. Angaben) mit unserem  Begleiter irgendwie zurechtzukommen, auch wenn unsere Wege total anders sind.

Aber, dass hatte ich bereits erwähnt,

MlG

Hinerk

Titel: Re: BZ mess Geräte Abweichungen
Beitrag von: Neumi am August 13, 2016, 23:42
Du hast da wohl etwas ganz gewaltig missverstanden!

Wenn du z.B. einen BZ von 100 mg/dl hast und davon ausgehst, dass das der Wert eines Gesunden ist, unterliegt diese Messung auch erst mal so einer Unsicherheit.
...
Eine uralte Regel in der Messtechnik sagt:
"Nicht so genau wie möglich messen - nur so genau wie nötig!"

Und unsere Geräte mit einer (STATISTISCHEN) Wiederholbarkeit von ±15% sind wirklich genau genug, vorallem wenn man bedenkt, dass die Messwerte allgemein viel genauer noch sind als garantiert.

Und aus eigener Erfahrung werden die meisten Diabetiker wissen, dass verschiedene Bedienfehler (bemerkt oder unbemerkt) zu noch viel größeren Abweichungen kommen können. Darauf müssen wir uns viel mehr konzentrieren.

Hallo Hinerk,

den von Gyuri und Kladie gemachten Aussagen stimme ich genau zu. Der Blutzuckerwert eines Gesunden wird doch über einen viel feinfühligeren und schneller reagierenden Mechanismus geregelt. Das erreichst Du mit Spritzen und Essen nie! Der Körper hat beispielsweise zum gegensteuern bei Insulin keine 4 Stunden Wirkzeit zu beachten und wenn Du spritzt was drin ist ist erst einmal drin und baut sich gemäß den Wirkzeitraum ab. Deswegen ist ja das Management des Blutzuckers auch nicht so einfach und man muss oft auch vorausschauend handeln.

Zu den Messungenauigkeiten ist was Gyuri im letzten Satz sagt sehr wichtig. Denke nicht das jede Stelle im Bauch das Insulin gleich weiterleitet. Das glaube ich einfach nicht auch dort vermute ich Toleranzen. Besonders kritisch wird es sicher bei schon verhärteten Stellen. Beim Essen gilt das Gleiche. Die Waage weist eine Messtoleranz auf und die Hersteller sind mit ihren Aufdrucken sicher auch nicht immer 100% Ehrlich. ich will keinen was unterstellen, aber sie können sich sicher auch in einen Toleranzbereich bewegen. Bekanntlich addieren sich ja Messfehler und wenn Du Pech hast dann ist der Wert eben ganz anders. Da helfen Dir auch keine Labormessgeräte weiter. Vergiss das also, denn für die persönliche Therapie sind die angebotenen Messgeräte in den meisten Fällen ok. Wie schon vorher mal erwähnt liegt auch das Hauptproblem eher in dem einmal verwendbaren Messstreifen. Den kann man nämlich nicht kontrollieren denn dann ist er wertlos. Hier sind in der jeweiligen Charge nur Stichproben möglich. Wie willst Du diese Fehler vermeiden.

Fazit: Ich denke gehe die Sache ruhiger an und ich weiß nicht was Dich so penibel dazu macht. Jeder Mensch ist anders und der Wert eines Gesunden ist auch nur ein statistischer Durchschnittswert. Wo würdest Du dich denn in dieser Statistik eines vorher Gesunden einordnen? Direkt bei BZ 100 oder eher niedriger oder höher. Keiner kann Dir das sagen!
Titel: Re: BZ mess Geräte Abweichungen
Beitrag von: Hinerk am August 14, 2016, 08:49
Moin Neumi,

Die von mir praktizierte Art mit meinen "honigsüßen Fluss" umzugehen macht mir wirklich keinen Stress,auch weil ich mit meinem Programm eine starke Hilfe habe.

Das Du versuchst mich zu beruhigen im Sinne "take it easy", finde ich nett und ich danke Dir.

Aber so ganz verstehe ich eure Argumentationen nicht, natürlich ist bekannt und unstrittig, dass jeder Körper und darüberhinaus jede Stelle am Bauch anders reagieren kann.

Das hält mich aber nicht davon ab BZ Werte um die 100 anzustreben, um damit in Verbindung mit meinem jeweiligen aktuellen BZ der Tageszeit und Kh. meine pp Spitzen in einem Gefäß unschädlichen Bereich zu stabilisieren.

Was ist für uns aus den natürlich bekannten imponderabllien wie der mit großen Toleranzen versehenden Angaben über Nährwerte bzw. div. Anderen Einfluss nehmenden Faktoren zu lernen?

Jeder ist seines Glückes Schmied oder für uns, mit Versuch und Irrtum uns immer besser zu "Therapieren". Entschuldige bitte lieber DiaDoc, aber wir wollen doch nur helfen.

Du, und auch Andere haben eine Art mit eurem Begleiter umzugehen, die bei euch erfolgreich ist, also bleibt dabei.

Ich bleibe bei meiner Art, auch wegen meines Anspruchs frei leben zu können.

MlG

Hinerk

Übrigens, Du hast schon viel gelernt.

Titel: Re: BZ mess Geräte Abweichungen
Beitrag von: Gyuri am August 14, 2016, 13:14
Natülich sollten wir uns bei jeder Anfrage immer nur auf das vorgegebene Thema konzentrieren.
 :pfeif:
(…)
Wenn die Geräte so arbeiten, wo gibt's genauere (Laborgeräte) wer hat Informationen.

MlG

Hinerk
Hier gehst du aber nahezu alleine deinen eigenen Weg und du wirst so die Frage nicht befriedigend beantwortet finden.
Ich arbeite nun mal sehr viel nach Erkenntnissen, die ich auch nach statistischen Daten gewonnen habe. Und diese/meine Erkenntnisse sagen mir: "das wäre der falsche Weg!"

Dir würde mit einem noch so genauen Laborgerät nicht wirklich geholfen werden. Du schreibst ja selbst, dass die Ermittlung der einzelnen BE in unserer Nahrung schon recht ungenau geht. Daraus folgt auch, dass ein benötigter Faktor zum Insulinbedarf sehr schlecht bestimmbar ist. Jetzt willst du aber diese vielen "Hausnummern" mit hochgenauen BZ-Messergebnissen kompensieren.

Mein immer wieder gut gemeinter Rat geht in die Richtung, alle "Ungenauigkeiten" dadurch zu überbrücken, sich nicht auf eine einzelne Messung (mit was auch immer) zu verlassen, sondern sich mit Durchschnittsermittlungen in einem überschaubaren Zeitraum einen Überblick zu verschaffen.
Titel: Re: BZ mess Geräte Abweichungen
Beitrag von: Hinerk am August 14, 2016, 14:59
Moin Gyuri,

Ich hoffe, Dich nicht zu enttäuschen Deinen Rat Daten aus vorherigen Ergebnis Beziehungen immer wieder zur Bestimmung und Änderung meiner BZ bezogenen Faktoren heranzuziehen habe ich immer schon berücksichtigt.

Seit 2003 bin ich insulinpflichtig, am Anfang habe ich aus Angst kaum Kohlenhydrate in meine Mahlzeiten eingebaut.

Dann vermisste ich Kuchen und andere Leckereien und begann mein Insu-Logic Programm zu entwickeln um  gefahrlos z. B. Schwarzwälder Kirschtorte zu genießen.

Das gesammelte Wissen hier im Forum hilft mir mich weiterzuentwickeln, auch wenn ich meine für mich entwickelte erfolgreiche "Therapie", bis zur Entdeckung einer für mich besser geeigneten beibehalten werde.

Nochmals danke,

MlG

Hinerk

Entschuldige bitte, meine Schachtelsätze.
Titel: Re: BZ mess Geräte Abweichungen
Beitrag von: Floh am August 15, 2016, 08:56
Wozu ein Labormessgerät? Ist dort bessere Messtechnik verbaut? Oder ist es nur deswegen ein Laborgerät, weil es in regelmäßigen Zeiträumen geprüft (oder gar geeicht und zertifiziert) wird?

Ich stimme Gyuri ja nicht zu. Eine genauere Messung kann man erreichen. Hervorragend sogar, in dem man anfängt erst mal alle persönlichen Fehlerquellen zu reduzieren. Pfoten waschen, Wasser vollständig verdunsten lassen, nicht unnötig auf dem Finger rumquatschen und so Gewebeflüssigkeit mit Blut vermischen, nicht in stark vernarbtem Gewebe herum messen. So was.

Dann gibt es noch systematische Fehler des Messgerätes. Wenn ein solcher vorhanden ist (das merkt man tatsächlich beim Vergleich mit einem Laborgerät), wegschmeißen - neues kaufen. Messgeräte für den Blutzucker werden einem nachgeschmissen - die Firmen machen ihren Gewinn ja mit den Streifen.

Und schliesslich: statistische Fehler des Messgerätes. Diese dürfen (wie oben beschrieben) bis zu 15% betragen. Das ist aber das Normmaximum - und das tun sie nicht. Weil die Fehler ja nicht aus Mondphase und Blütenstanddichte des Nachtschattengewächses auf dem Nachttisch entstehen, sondern weil die Produktion Schwankungen unterliegt. In der Schichtdicke des Leitgoldes, im Widerstand der Legierung und in der Menge des aufgetragenen Enzyms (und hunderten weiterer Faktoren).

Diese Faktoren schwanken aber langsam und nicht gleichzeitig. Weil unterschiedliche Maschinen, Materialien, etc. Deswegen sind Streifen einer Charge mit extrem hoher Wahrscheinlichkeit nur einer viel geringeren Streuung ausgesetzt als es die Norm zu lässt. Und da gab es mal ein schönes Paper zu, dass ich gerade nicht finde. Ich ergänze später, wenn es noch auftaucht.
Titel: Re: BZ mess Geräte Abweichungen
Beitrag von: Joerg Moeller am August 15, 2016, 11:42
Es gibt keine 100%ig genauen Messgeräte. Wozu auch?
Kann man sich sicher sein, dass der Pen/die Pumpe wirklich 6 IE abgibt? Oder nicht vielleicht 6,005?
Kann man sich sicher sein, dass tatsächlich 100% des Bolus auch im Blut ankommen? Und nicht schon im Unterhautfettgewebe degradiert werden?
Kann man sich sicher sein, dass tatsächlich 100% des Bolus im Blut auch biologisch wirksam werden? Und nicht schon in den Blutgefäßen degradiert werden?
Kann man sich sicher sein, dass eine Mahlzeit tatsächlich die Menge an Kohlenhydraten hat, die man dafür veranschlagt hat?
Kann man sich sicher sein, dass tatsächlich die Menge an Kohlenhydraten ins Blut gelangt, für die man gespritzt hat?

Es ist wie beim Hausbau: um ein perfektes Haus zu erhalten, müssen alle Elemente perfekt sein. Es reicht nicht aus, wenn man ein auf Hunderstel Millimeter genau gefertigtes Fenster verwendet (und der Rest Pi mal Daumen zusammengehämmert wird.

Bis jetzt sind nahezu alle Diabetiker auch ohne Laborgerät ausgekommen (die, die man sich leisten kann, messen auch nicht 100%ig. Es hat schon seinen Grund, warum sich nicht jeder Arzt ein eigenes Labor leisten kann).

Was man machen kann um sich sicher zu sein: einen Arzt zu haben, der seine Blutproben wirklich von einem Laborgerät auswerten lässt (da reichen auch die Praxis-Geräte).
Dann sein eigenes Messgerät zur nächsten Blutentnahme mitnehmen. Wenn das Blut für das Labor abgenommen wurde unmittelbar davor/danach mit dem eigenen Gerät messen, und zwar drei Messungen aus drei verschiedenen Fingern. Das mit dem Laborwert verglichen zeigt an, wie genau das eigene Gerät misst und wie groß die Schwankungsbreite ist. Zumindest für Messwerte in der Größenordnung, wie sie zu dem Zeitpunkt bestand.

Viele Grüße,
Jörg
Titel: Re: BZ mess Geräte Abweichungen
Beitrag von: Gyuri am August 15, 2016, 15:29
(…) Wenn das Blut für das Labor abgenommen wurde unmittelbar davor/danach mit dem eigenen Gerät messen, und zwar drei Messungen aus drei verschiedenen Fingern. Das mit dem Laborwert verglichen zeigt an, wie genau das eigene Gerät misst und wie groß die Schwankungsbreite ist. Zumindest für Messwerte in der Größenordnung, wie sie zu dem Zeitpunkt bestand.

Viele Grüße,
Jörg
Mit dieser "Prüfanweisung" könnte ich auch leben.  :super:
Die Praxis in der Praxis sieht aber anders aus. Da werden oft ganz seltsame Vergleichsmethoden empfohlen und auch gehandhabt.  :patsch:
Ich spare mir die alle und empfehle statt dessen auch die dreifache Gegenmessung. Diese ist für die zu erwartende Genauigkeit VOLLKOMMEN ausreichend.

Für eine Prüfmittelfähigkeit bräuchte man (nach irgend einer Norm) viel mehr Vergleiche, (dafür aber kein Laborgerät als Referenz  :zwinker: ) u.U. auch von verschiedenen Personen durchgeführt, diese drei Teststreifen kann man aber meiner Meinung nach schon opfern um einen groben Überblick zu gewinnen.
Titel: Re: BZ mess Geräte Abweichungen
Beitrag von: Kladie am August 15, 2016, 16:31
Da ich einen Zielbereich von 80 - 150 mg/dl habe, ist mir die Genauigkeit der Messungen schnuppe.

Zur Zeit habe ich einen Libre Sensor, der gegenüber den Meßstreifen 20 - 50 mg/dl zuviel anzeigt. Was genauer ist spielt für mich keine Rolle aber dem Verlauf der BZ Änderungen gilt mein Interesse. Keine Ausreißer nach oben und möglichst niedrigen Durchschnitt reicht mir.
Als Ergebnis bekomme ich einen HbA1c von 5,4 - 5.7 % und dann glaube ich der Literatur, dass ich ähnliche Werte habe wie ein Nicht Diabetiker. Also alles im grünen Bereich. Genauer, besser, gesünder oder sonstwas lasse ich andere machen. Mir reicht es so weil es kaum noch Aufwand für mich bedeutet mein Ziel zu erreichen.
Titel: Re: BZ mess Geräte Abweichungen
Beitrag von: Joerg Moeller am August 16, 2016, 11:30
Die Praxis in der Praxis sieht aber anders aus. Da werden oft ganz seltsame Vergleichsmethoden empfohlen und auch gehandhabt.  :patsch:

Ich hab das von dem Diabetologen, der mich damals auf Pumpe umgestellt hat (Dr. Jansen in Gelsenkirchen). Ob das heute auch noch so ist weiß ich nicht, aber damals sollten Diabetiker, die neu zu ihm kamen und schon diagnostiziert waren, ihre Messgeräte bei der ersten Untersuchung mitbringen und dann wurde so wie oben beschrieben getestet.

Ich hatte zwei mit. Ein Freestyle Mini und ein anderes (weiß nicht mehr welches). Mein BZ war normwertig und die drei Proben mit dem Freestyle lagen um 1, 1 und 2 mg/dl daneben. Das andere hatte Abweichungen im 2 stelligen Bereich (und wurde dann von mir entsorgt). Noch besser als die geringe Abweichung hat uns beiden gefallen, dass die drei Proben so nah beieinander lagen.

Man sollte übrigens nicht mehrere Messungen aus demselben Blutstropfen machen, weil die Gerinnung Einfluss auf das Ergebnis hat.

Viele Grüße,
Jörg
Titel: Re: BZ mess Geräte Abweichungen
Beitrag von: Neumi am August 16, 2016, 13:52
Da ich einen Zielbereich von 80 - 150 mg/dl habe, ist mir die Genauigkeit der Messungen schnuppe.

Zur Zeit habe ich einen Libre Sensor, der gegenüber den Meßstreifen 20 - 50 mg/dl zuviel anzeigt. Was genauer ist spielt für mich keine Rolle aber dem Verlauf der BZ Änderungen gilt mein Interesse. Keine Ausreißer nach oben und möglichst niedrigen Durchschnitt reicht mir.
Als Ergebnis bekomme ich einen HbA1c von 5,4 - 5.7 % und dann glaube ich der Literatur, dass ich ähnliche Werte habe wie ein Nicht Diabetiker. Also alles im grünen Bereich. Genauer, besser, gesünder oder sonstwas lasse ich andere machen. Mir reicht es so weil es kaum noch Aufwand für mich bedeutet mein Ziel zu erreichen.

Ja, Kladie das ist genau was ich meine. Die Standardabweichung und die PP-Abweichungen sind genau die Punkte die meiner Meinung nach wichtig sind.

Jetzt will ich Joerg mal etwas dazu sagen, den er ist ja wohl bei der Pflege von SiDiary-Online mit am werkeln. Dort gibt es die Auswertung "Trend" welche mir schon sehr hilft. Das sind nicht nur die kleinen Smilys die lächeln oder weinen sondern die direkt angegebenen Werte im Text. Somit erkennt man anhand der Symbole aber schon sehr schnell, wenn was aus dem Ruder läuft. Ich finde das schon gut. Nicht jeder kann nun mal Exceltabellen lesen, da gehört schon eine gewisse Übung dazu. Wer es dann kann liest allerdings mehr raus als bei der Trendanzeige!